Luftbild: drei Dachanlagen in Aachen

Ratgeber

PV-Anschluss an die Mittelspannung: Was Großanlagen brauchen

Große Solaranlagen speisen oft in die Mittelspannung ein. Dafür gelten eigene technische Regeln, und der Netzbetreiber prüft jeden Schritt.

Stand 30.09.2026 · 3 Minuten Lesezeit · G&P Solar, Friedelsheim

Im Bild: Aachen · drei Dachanlagen · 5.500 kWp

Eine PV-Anlage kommt an die Mittelspannung, wenn das Niederspannungsnetz am Standort ihre Leistung nicht aufnehmen kann. Wo die Grenze liegt, legt der Netzbetreiber nach der Netzverträglichkeitsprüfung im Einzelfall fest. Für den Anschluss gilt dann die Technische Anschlussregel Mittelspannung, die VDE-AR-N 4110.

Mittelspannungsnetze sind Drehstromnetze mit Spannungen über 1 kV bis unter 60 kV, typisch sind 10 oder 20 kV. Die Anlage braucht dafür mehr Technik als eine Dachanlage im Niederspannungsnetz: einen Transformator, Schutzeinrichtungen und eine Regelung, die auf Vorgaben des Netzbetreibers reagiert.

Die VDE-AR-N 4110 regelt Anschluss und Betrieb

Die VDE-AR-N 4110 trägt den Titel „Technische Anschlussregel Mittelspannung, Technische Mindestanforderungen für Anschluss und Parallelbetrieb von Kundenanlagen am Mittelspannungsnetz“. Sie gilt für Erzeugungsanlagen, Speicher, Mischanlagen und Ladeeinrichtungen am Mittelspannungsnetz. Für Anlagen am Niederspannungsnetz gilt die VDE-AR-N 4105. Viele Netzbetreiber ergänzen die Anschlussregel durch eigene technische Anschlussbedingungen, die für ihr Netzgebiet zusätzlich gelten.

Transformator und Übergabestation

Die Wechselrichter erzeugen Niederspannung, das Netz führt Mittelspannung. Dazwischen sitzt ein Transformator, meist in einer Übergabestation mit Schaltanlage und Messung. Betriebe mit eigenem Mittelspannungsanschluss haben oft schon einen Transformator. Ob die Anlage dahinter einspeisen kann oder einen eigenen Anschlusspunkt braucht, hängt von Leistung, Auslastung und Schutzkonzept ab und wird früh geprüft.

Solarpark mit Umspannanlage im Hintergrund

Schutz: Die Anlage muss sich im Fehlerfall richtig verhalten

Das Schutzkonzept legt fest, wie die Anlage auf Fehler im Netz reagiert, etwa auf Kurzschlüsse oder Spannungs- und Frequenzabweichungen: wann sie am Netz bleibt und das Netz stützt, wann sie sich trennt. Es wird mit dem Netzbetreiber abgestimmt und vor der Inbetriebnahme geprüft.

Der Anlagenregler setzt die Vorgaben des Netzbetreibers um

Eine Anlage am Mittelspannungsnetz muss ihre Wirk- und Blindleistung nach Vorgaben des Netzbetreibers einstellen können. Das übernimmt ein zentraler Regler, oft EZA-Regler genannt, der mit den Wechselrichtern und über Fernwirktechnik mit der Leitstelle des Netzbetreibers verbunden ist. So kann der Netzbetreiber die Einspeisung bei Bedarf begrenzen und die Spannung im Netz halten.

Nachweise und Prüfungen vor der Inbetriebnahme

Vor dem ersten Einspeisen will der Netzbetreiber belegt sehen, dass Wechselrichter, Schutz und Regelung die Anschlussregel einhalten. Dazu gehören Datenblätter und Nachweise der Komponenten, das abgestimmte Schutz- und Regelungskonzept und Prüfprotokolle. Fehlt ein Nachweis, verschiebt sich die Inbetriebnahme. Deshalb gehören Komponentenwahl und Nachweise an den Anfang der Planung, nicht ans Ende.

Der Ablauf bis zum Anschluss

  1. Anschlussbegehren mit Standort, Leistung und Lageplan.
  2. Netzverträglichkeitsprüfung: Der Netzbetreiber nennt Anschlusspunkt und Spannungsebene. Nach Eingang aller Informationen hat er dafür höchstens acht Wochen (§ 8 Abs. 6 EEG).
  3. Technisches Konzept: Station, Schutz, Regelung, Fernwirktechnik, abgestimmt mit dem Netzbetreiber.
  4. Bau durch eingetragene Fachbetriebe, überwacht von G&P Solar.
  5. Inbetriebnahme mit Prüfungen und Abnahme durch den Netzbetreiber.

Das Anschlussverfahren im Allgemeinen beschreibt der Beitrag Netzanschluss für Gewerbe-PV. Unsere Beispiele für Anlagen im Megawattbereich stehen unter Projekte und Referenzen.

Häufige Fragen

Ab wie viel kWp muss eine Anlage an die Mittelspannung?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Der Netzbetreiber legt nach der Netzverträglichkeitsprüfung fest, an welcher Spannungsebene und an welchem Punkt die Anlage angeschlossen wird.

Kann die Anlage an unseren vorhandenen Trafo?

Oft ja, wenn der Betrieb schon einen Mittelspannungsanschluss mit eigenem Transformator hat. Ob Leistung und Schutzkonzept passen, wird zu Beginn der Planung geprüft.

Welche Regel gilt am Niederspannungsnetz?

Dort gilt die VDE-AR-N 4105 für Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz.

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